Oekum. Kinderhaus

 

St. Joseph

Pastoralverbund
 

ev.Kirchengemeinde

 

Und Friede auf Erden den Menschen?

Eine Geschichte erzählt: „Als die Menge der himmlischen Heerscharen über den Feldern von Bethlehem jubelte: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“, da hörte ein kleiner Engel plötzlich zu singen auf. Die Sänger neben ihm stutzten und setzten ebenfalls aus. Das Schweigen des kleinen Engels pflanzte sich rasch fort, und es hätte beinahe den ganzen Chor ins Wanken gebracht. Da fragte ein Großengel streng: „Warum willst du nicht singen?“ Darauf der kleine Engel: „Ich wollte ja singen. Ich habe gesungen bis zum „Ehre sei Gott in der Höhe“. Aber als dann das mit dem „Frieden auf Erden“ kam, da konnte ich nicht mehr weiter mitsingen. Das, was ich sehe, genügt mir. Es ist nicht wahr, dass es auf Erden Frieden unter den Menschen gibt, und ich singe nicht gegen meine Überzeugung!“

Ja, was ist eigentlich aus dem Frieden geworden, von dem die Engel gesungen haben? Die Wirklichkeit sieht ja anders aus: Unfrieden zwischen Völkern, Unfrieden zwischen Religionsgemeinschaften, Unfrieden mitten in der Stadt oder in dem Dorf, in dem man wohnt, und auch das: Unfriede in der Familie und in der Verwandtschaft.

Aber trotz allem, tief im Menschen ist die Sehnsucht nach Frieden und Angenommensein: Zufriedenheit, Frieden in uns selbst! Wir sehnen uns nach Frieden in unseren Beziehungen mit dem Partner und der Partnerin, mit den Kindern, mit unseren Freundinnen und Freunden. Wie groß ist der Wunsch danach, dass Frieden möglich und leb bar ist! Und doch ist es oft so anders. Jeder weiß, wie zerbrechlich Friede ist.

Der kleine Engel steigt aus, singt nicht mehr mit, weil ihm das alles verlogen vorkommt. Wie viele Menschen möchten das Gleiche tun, und tun es - zum Erschrecken der anderen - auch. Jugendliche, die aussteigen aus der Welt der Erwachsenen, Menschen, die aussteigen und dann einsteigen in die Welt der Drogen und des Alkohols, oder in irgendein Doppelleben. Menschen, die sich weigern, sich den Problemen so zu stellen, wie sie nun einmal sind.

Aber so einfach kommt der kleine Engel in unserer Geschichte mit seinem Protest nicht weg! „Schweigt! Vielmehr, singt!“ rief der große Engel den anderen Engeln zu und nahm den Rebellen zur Seite. „Du verstehst nicht, was in dieser Nacht in Bethlehem geschehen ist, und willst die Not der ganzen Welt verstehen?“ Der kleine Engel verteidigte sich: „Ich behaupte nicht, alles zu verstehen. Aber ich merke doch den Unterschied zwischen

dem, was wir singen, und dem, was auf Erden ist. Diese Spannung halte ich nicht länger aus.“

Der Großengel nickte: „Weißt du, eben in dieser Nacht ist dieser Zwiespalt überbrückt worden. Dieses Kind, das geboren wurde, soll Frieden in die Welt bringen. Gott gibt in dieser Nacht seinen Frieden allen. Wir übertönen mit unserem Gesang nicht den Zwiespalt, wie du meinst. Wir singen vielmehr ein ganz neues Lied.“

Der kleine Engel rief: „ Wenn das so ist, singe ich gerne weiter!“ Der große Engel schüttelte den Kopf: „Hier wirst du nicht weiter mitsingen. Du wirst einen anderen Dienst übernehmen. Du wirst ab heute den Frieden Gottes zu den Menschen tragen. Du sollst an ihre Häuser pochen und ihnen die Sehnsucht nach dem Frieden in die Herzen legen. Manchmal wirst du singen können, aber manchmal wirst du auch viel zu weinen und zu klagen haben. Und nun geh!“

Da setzte der kleine Engel seinen Fuß auf die Felder von Bethlehem. Er wanderte mit den Hirten zu dem Kind und öffnete ihnen die Herzen, dass sie verstanden, was sie sahen. Dann ging er in die weite Welt und begann zu wirken. Angefochten und immer neu verwundert, tut dieser Engel des Friedens seither seinen Dienst. Er sorgt dafür, dass die Sehnsucht nach dem Frieden nie mehr verschwindet, sondern wächst. Er sorgt dafür, dass Menschen sich ständig bemühen, Schritte auf dem Weg des Friedens zu gehen.

Ich hoffe, dass dieser Engel des Friedens auch hier bei uns unterwegs ist, dass er sich einschleicht in unsere Herzen und in die Herzen möglichst vieler auf diesem Erdenrund und dass er die Sehnsucht wach hält nach Frieden und Versöhnung, nach Heilung und Zufriedenheit. Vielleicht hält der Engel den Schmerz wach über Ärger, Streit und Zwietracht. Vielleicht mahnt er uns, klar Stellung zu beziehen, wenn Menschen verletzt oder ungerecht behandelt werden.

— Ich glaube, der Engel des Friedens kommt zu uns, wenn uns etwas nicht zur Ruhe kommen lässt, wenn uns die immer gleiche Frage beschäftigt.

— Ich glaube, der Engel des Friedens kommt zu uns, wenn ein Mensch spürt, dass er sich mit seiner Geschichte versöhnen kann, und entdeckt, dass viel mehr in ihm steckt, als er sich selbst zugetraut hat.

— Ich glaube, der Engel des Friedens kommt zu uns, wenn sich jemand mit seinen körperlichen oder seelischen Grenzen aussöhnt und damit zufriedener wird. 

— Weihnachten wird, wenn der Engel des Friedens unser Herz anrührt und uns wachrüttelt füreinander.

— Engel des Friedens können wir füreinander werden, wenn wir uns für den anderen interessieren.

— Engel des Friedens können wir füreinander werden, wenn wir wahrnehmen, was da gerade ist, ohne zu werten.

— Engel des Friedens können wir füreinander werden, wenn wir genau hinhören, hinspüren und hinschauen und nicht gleichgültig werden, sondern um der Sache Jesu willen Veränderung, neues Leben, gelingende Menschwerdung ermöglichen.

Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, dann gilt die Liebe Gottes zunächst uns. Keine realitätsfremde Liebe, die sich nur in Worten und Gefühlen erschöpft. Gott scheut nicht die Kälte, die sich zwischen unseren Herzen breit macht: Er friert in seiner Krippe - mit uns.

Er vermeidet nicht die Armut, die sich in unserem Handeln offenbart. Er leidet an der Armut seiner Eltern und der ersten Freunde, die er gewinnt: der Hirten. Er leidet für uns, die wir auch an Herz und Seele so arm sind.

Er umgeht auch nicht das Los der Ausgestoßenen. Er findet mit dem Beweis seiner Liebe in keiner Herberge Unterkunft. Er wird vor die Tür gesetzt - von uns.

Gott ist nicht Mensch geworden, um uns nur glücklich zu machen. Tatsächlich interessiert es Gott weniger, ob wir glücklich sind oder nicht. Gott wird Mensch, um uns zu lieben und uns selbst liebesfähig zu machen. Damit beginnt er in Bethlehem. All sein Trachten, sein Handeln, sein Denken und sein Fühlen richtet sich auf diese eine Botschaft an uns: Lasst Euch lieben! Von mir, aus ganzem Herzen! Und: Liebt einander! Nicht nur mit Gefühlen oder mit Worten, sondern mit ganzem Herzen, mit eurem Leben!

 

Das wünschen wir Ihnen!

 

Friedvolle Weihnachten! Möge der Engel des Friedens mitten unter uns lebendig sein!

 

Ihre

Pfarrer Hans-Jürgen Wenner           und             Justyna Beer

 


 

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