Sommerpfarrbrief 2014

»Ohne mich«
Ohne mich - wie wird das wohl klappen, in der Firma, in der Familie, in der Nachbarschaft? Ein Seufzer, ein innerlicher, der wohl nicht so selten ist, jetzt in der Urlaubs- und Ferienzeit. Viele freuen sich darauf, mal für ein paar Wochen draußen zu sein aus allem. Aber so mancher hat dabei auch Magengrummeln: Hoffentlich kom-men die zu Hause überhaupt ohne mich zurecht. Hoffentlich bricht kein Chaos aus, wenn ich nicht da bin. Aber: Sind wir wirklich so un-entbehrlich, wie wir denken? Und bekommen es die zu Hause wirklich nicht hin, den Laden am Laufen zu halten, wenn wir uns mal zurück-ziehen? Eine Haltung steckt darin, die mittlerweile nicht nur zur Ferienzeit um sich greift. Ich habe den Eindruck - und merke das auch an mir selbst -, dass es heutzutage besonders wichtig ist, unentbehrlich zu sein oder zu scheinen. Das Handy ist dafür ein Symbol: Nur wer immer und überall erreichbar ist und herbeigerufen werden kann, ist wichtig. Nur wer immer verfügbar ist, ist etwas wert. Selbst in der Kirche ist das verbreitet.
Ich bin nicht Gott
Dabei bietet, denke ich, gerade der Glaube auch ein ganz anderes Denken: Natürlich ist jeder Mensch wichtig und wertvoll. Es ist wunder-voll, wenn ich spüre: Ich werde gebraucht, und meine Arbeit und mein Dasein für andere sind wichtig. Aber andererseits: Ich bin ja auch Teil einer Gemeinschaft, ich ver-danke mich anderen - und vor allem: Ich verdanke mich einem Größeren, einem, gegenüber dem wir eben nur kleine Menschenkinder sind. Gott hat die Welt in Händen, er sorgt für ihr Fortbestehen - nicht ich selbst kann und muss das leisten. Ich kann mich auf Gott verlassen, ihm Dinge anvertrauen. Wenn ich so tue, als ginge nichts ohne mich, dann hat das eigentlich auch etwas von Gotteslästerung. Dann tue ich so, als wäre ich Gott. Ich bin aber nicht Gott. Ich bin ein Geschöpf Gottes, ein Mensch. Einer, der ab und zu Ruhe braucht, für den Rückzug wichtig ist. Mit dem Sabbat oder Sonntag hat Gott solche Ruhezeiten ja von Anfang an dem Menschen ans Herz gelegt. Und sogar Gott selbst hat am siebten Tag eine Pause eingelegt.
Gott gönnt uns Ruhe
Gott gönnt sich und uns Ruhe-pausen. Ja, er verordnet sie uns. Für manchen ist das manchmal auch eine Zumutung. »Sie haben gut reden!« hat mir einmal eine Frau gesagt, die ihre Mutter pflegt. »Ich kann nicht Urlaub machen, ich kann nicht weg. Ohne mich geht es nicht.« Aber ich bin ganz sicher: Jede und jeder braucht diese Zeiten ohne Pflichten und Sorgen, und jedem Menschen gönnt Gott diese Ruhepausen. Keine Frau ist eine Rabentochter oder eine Raben-
mutter, wenn sie ein paar Tage weg-fährt. Manches muss vor dem Ur-laub sicher gut organisiert werden. Aber ich bin mir sicher: Danach wird es auch allen besser gehen. Es tut allen gut, wenn es Auszeiten gibt - in der Familie oder auch im Beruf.
Nimm dich nicht so wichtig!
-Nimm dich wichtig!

Vielleicht hat Urlaubmachen tat-sächlich auch ein bisschen etwas mit christlicher Demut und christlicher Gelassenheit zu tun: Wenn ich Gott vertraue - und auch den Menschen um mich herum -, dann weiß ich eben: Es wird auch ohne mich gehen. Die Welt gerät nicht aus den Fugen, wenn ich mir mal Ruhe gönne. Ich kann mich zurückziehen, ohne dass alles zusammenbricht. »Johannes, nimm dich nicht so wichtig!« Das ist ein berühmter Spruch von Papst Johannes XXIII., der, finde ich, auch wunderbar zur Urlaubszeit passt. »Nimm dich nicht so wichtig« - der Spruch will mich natürlich ganz und gar nicht ab-qualifizieren, klein machen. Er bedeutet nicht: Du bist nicht wichtig! Ganz im Gegenteil, in ihm steckt sogar die Botschaft: Du bist so wichtig und wertvoll - du sollst eben auch für dich selbst sorgen. Es ist wichtig, dass es dir gut geht, dass du dir Ruhe gönnst, ab und zu. Nimm dich nicht so wichtig, das kann heißen: Lass doch deine Pflichten mal bei Seite - und nimm deine Bedürfnisse wichtig! Tu für eine Weile, was dir gut tut!


Ruht ein wenig aus!
Es gibt im Neuen Testament eine Geschichte, die zu dieser anderen Haltung sehr gut passt. Im Markus-Evangelium wird erzählt, wie die Jünger von Jesus ausgesandt werden unter die Leute, um seine Frohe Botschaft zu verkünden; immer zu zweien, ohne Vorrat und Geld ziehen sie los. Irgendwann - es wird nicht gesagt, nach welcher Zeit - waren es Tage, Wochen? -, kom-men sie zurück, voller Erlebnisse, aber sicher auch ziemlich erledigt. Sie berichten Jesus alles, was sie getan und gelehrt haben, erzählen von Heilungen und Predigten, sicher auch von vielen anstrengenden Fußmärschen. Man könnte meinen, Jesus sagt trotzdem vielleicht zu ihnen: »Ihr müsst weiter missi-onieren, von euch hängt es ab, ob sich meine Botschaft verbreitet oder nicht.« Aber er sagt etwas ganz anderes: »Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus«. Ich mag diese Stelle im Evangelium sehr. Jesus hat nicht nur Mitleid mit den Leuten, die zu ihm kommen, die ihn und die Jünger bestürmen, weil sie von seiner Botschaft hören und geheilt werden wollen. Er hat auch Mitleid mit den Jüngern. Und er gönnt ihnen Ruhe. Trotz allem Ansturm, trotz so vieler Aufgaben und Pflichten, trotz der Menschen-massen um ihn herum.
Ruht ein wenig aus! Ich bin mir sicher: Das sagt Jesus auch zu jedem und jeder von uns. Ohne mich - das wird gehen. Ich darf mir Erholung gönnen, Zeiten, in denen ich zur Ruhe komme, mich ausruhe. Ich wünsche Ihnen von Herzen solche Ruhezeiten, wo immer, wann immer und wie auch immer Sie sie verbringen!

Ich wünsche allen eine erholsame Urlaubszeit und gute Begegnungen


Ihr Pfr. Hans-Jürgen Wenner


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