Herbstpfarrbrief 2013

Offenes Schreiben an die Mutter Gottes - Maria

Liebe Maria!                                                                                                                            15. August
Es fällt mir schwer auszudrücken, was ich Dir alles sagen möchte, was mein Herz fühlt, wenn von Dir, heilige Maria, die Rede ist.
Ich möchte Dir heute vor allem aus tiefstem Herzen ein lautes Danke sagen. Der Engel hat dir in Deinem Leben mächtig dazwischengefunkt. Gott hat Dich ausgewählt, die Mutter unseres Herrn zu werden. Aber er hat nicht einfach über Dich verfügt. Nur mit Deinem ausdrücklichen Ja-Wort sollte es so geschehen.
Und Du hast Ja und Amen gesagt zu diesem großartigen Plan Gottes. Deine eigenen Lebenspläne hast Du Dir durcheinanderwirbeln lassen und Dich ganz und gar in den Dienst Gottes gestellt. Dass dies nicht immer nur ein Zuckerschlecken war, das wissen wir aus den Evangelien.
Durch die Wahl Gottes bist Du wirklich in andere Umstände gekommen, aber nicht nur im Bauch, sondern auch im Kopf.
Du hast Dich von Deiner Umgebung, von Deiner Verwandtschaft und allen Bedenkenträgern nicht verrückt machen lassen, sondern Du hast Dich von Gott selbst verrücken lassen, dorthin, wo er Dich brauchte.
Wie groß Deine Freude über das große Erbarmen Gottes war, schildert uns das heutige Evangelium. Elisabet jubelt laut, als sie Dich in ihrem Hause begrüßen darf, und Du lässt Dich von ihrem Jubel geradezu anstecken. Dein Jubellied, das „Magnificat“, ist ein ganz leidenschaftlicher, begeisterter und begeisternder Ausruf über die Größe und die Güte Gottes.
Gott ist es, der ganz treu ist und die Seinen nicht im Stich lässt. Er lässt sich nicht blenden von menschlicher Macht, von Reichtum oder Anderem, was uns oft so wichtig erscheint. Die Mächtigen dieser Welt, die auf ihren Thronen sitzen, werden vor Gott nicht bestehen. Er macht einen Umsturz, er stürzt sie um und jagt sie von ihrem Ehrenplatz, weil sie in ihren Herzen so hochmütig sind und selbst Gott spielen wollen. Und was in den Augen der Menschen klein und unbedeutend erscheint, das ist es noch lange nicht vor Gott.
Du, heilige Maria, hast uns in deinem Jubellied auch verkündet, dass es nicht unsere Aufgabe ist, diese Machthaber zu stürzen. Es genügt, wenn wir uns von ihnen abwenden. Wir sollen nicht Kain und Abel spielen. Das endet meistens mit viel Blutvergießen. Gott allein steht es zu, die Menschen zu richten, zu beurteilen.
Dich, Maria, hat Gott ausgewählt aus Millionen von Frauen. Dich hat er für würdig befunden, seinen Sohn auf diese Welt zu bringen. Deinem lauten Jubellied darüber schließt sich die Kirche gerne an, wenn wir Deine leibliche Aufnahme in den Himmel am 15. August feiern, allgemein auch „Mariä Himmelfahrt“ genannt.
Das Fest besagt, dass Du mit allem, was Deine Person ausmacht, in den Himmel hinein gestorben bist. Da ist nicht nur eine lebendige Seele im Himmel, sondern das bist Du als ganzer Mensch und Mutter unseres Herrn, mit allem, was Dich so besonders macht.

Wenn Du später den Menschen vom Himmel her erschienen bist, dann haben sie Dich immer als ganzen Menschen gesehen, der plötzlich vor ihnen auftaucht. Das hast Du natürlich nicht ohne Grund so gemacht.
Was Gott da an Dir getan hat, das hat herrliche Folgen für uns alle. Verzeih mir, Maria, wenn ich das so locker ausdrücke: Du bist gewissermaßen der Prototyp, das Muster, wie wir das z.B. von den neuen Autos kennen, bevor sie in Serie gehen.
Mit Dir hat Gott den Anfang gemacht, er hat dem Tod nach der Auferstehung Jesu endgültig alle Macht entrissen und ihn von seinem kalten Thron gestoßen.
Das heutige Fest ist darum nicht nur ein Feiertag für Dich, sondern erst recht für uns hier auf Erden: Auch am Ende des irdischen Lebens bist du ein Vorbild für alle, die Gott fürchten und lieben, die ihm vertrauen. Sie alle werden es wie Du erleben dürfen, dass sie leibhaftig vor Gott stehen, gewissermaßen mit Haut und Haaren.
Da mag unsere irdische Hülle verfaulen oder verbrennen oder in alle Winde verweht sein – das wird unsere ganze Person im Himmel nicht betreffen. Mit allem, was uns als ganze Menschen ausmacht, werden wir vor Gott hintreten dürfen.
Liebe Maria! Dein Magnificat, dein Jubellied, ist dabei, sich zu erfüllen. Wie weitsichtig Du doch damals schon warst, als Du, wie wir es im heutigen Evangelium hören, ausgerufen hast:
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.“
Genau so ist es gekommen: So wie Gott Dich auf seine Art geehrt hat, so ehren wir dich, liebe Gottesmutter, auf unsere Art, indem wir von Generation zu Generation und seit Jahrhunderten mit allergrößter Freude und manchmal auch mit bebendem Herzen in Dein Jubellied einstimmen.
Liebe Maria, lass mich zum Schluss noch um etwas bitten:
Halte meine Augen offen, damit ich sehen und mich prüfen kann, vor welchem Thron ich mich im täglichen Leben verbeuge und wessen Loblieder ich wohl singe. Das wünsche ich mir.
Mit den allerherzlichsten Grüßen – Dein ……


Ihr Pfarrer Hans-Jürgen Wenner


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