Talk am Dom

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Menschen - Themen - Standpunkte

11. Talk am Dom - 30.03.2017

Begeisternde Gäste bei der Gesprächsreihe des Bistums Fulda

Fulda. Neues Erscheinungsbild, neuer Ort für die Bühne und selbst die „Talk am Dom“-Tasse als kleines Gästepräsent war neu beim 11. „Talk am Dom“ in Fulda. Geblieben sind die Einzelgespräche, die Moderator Dr. Klaus Depta mit fünf hochinteressanten Gästen im gut gefüllten Ideal führte.

 

Bilder können nur vor Ort gewonnen werden


Den Auftakt machte der amtierende Intendant des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp. Sein Aufstieg vom 14-jährigen, der einfach einmal einen Artikel bei einer Tageszeitung einreicht, über das Volontariat und vielfältige Positionen beim Hessischen Rundfunk ähnelt beinahe den Abenteuergeschichten eines Jack London à la vom „Tellerwäscher zum Millionär“. Sein sicheres Gespür für Themen, die Wichtigkeit bei der Auswahl von Nachrichten, vor allem aber die Neugier für Themen und Hintergründe sind dem zwischenzeitlichen Hessenschau-Chef bis heute erhalten geblieben. Journalistisch geprüfte Eindrücke können nur vor Ort gewonnen werden, so Krupp. Seiner Meinung nach hat sich das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks keinesfalls überlebt, ist heute vielleicht sogar noch wichtiger als früher. Denn die Rundfunkanstalten seien, so Krupp, „Teile unserer Demokratie“, die von journalistischer Sorgfaltspflicht getragen und geleitet würden. Die Prüfmechanismen funktionierten fast immer, so dass die Menschen auf die Glaubwürdigkeit und Richtigkeit öffentlich-rechtlicher Nachrichten vertrauen könnten. Sorge hingegen bereite ihm, dass Teile der Gesellschaft sich zunehmend auf sich selbst und ihren Lebensbereich fokussierten, aber auch auf das verstärkte Aufkommen von so genannten „Fake News“ (Falschnachrichten).



Prof. Dr. Martin Hein

Reinhard Horn

Manfred Krupp

 

Prof. Dr. Egon Spiegel

Christa Steinhauer-Friedrich

 



Kinder sind keine Renditeobjekte


Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Kinderliedermacher Reinhard Horn, der auch die musikalische Gestaltung des Abends übernahm, warb im Gespräch mit Depta leidenschaftlich für das tägliche Singen und sprach dabei von „Seelenproviant für Kinder“, den es gelte, mit in das weitere Leben zu nehmen. Eindringlich verwies der gelernte Pädagoge auf neuere Befunde in der Neurologie, die es selbst an Demenz und Alzheimer Erkrankten ermögliche, über früh erlernte Lieder ein Stück Sicherheit zu behalten. Denn der Teil des Gehirns, in dem auch das musikalische Gedächtnis abgespeichert sei, bliebe am längsten voll funktionsfähig.

Horn, seit zwei Jahren auch Botschafter der Kindernothilfe und für Unicef beim Red Hand Day (Aktionstag gegen das Kindersoldatentum) engagiert, machte deutlich, dass „gute Lieder und Geschichten wichtige und hilfreiche Entwicklungsschritte für Kinder“ seien.

Eine klare Absage erteilte Horn der „Wirtschaftlichkeitsbetrachtung“ von Kindern. Denn Kinder seien keine Renditeobjekte im Sinne von „Human Capital“, sondern Subjekte mit Bedürfnissen und Ansprüchen.



Bis 2075 wird es keine Kriege mehr geben


Mit der starken These, dass es ab dem Jahr 2075 keine Kriege mehr geben werde, überraschte der Politologe, Religionspädagoge und Friedensforscher Prof. Dr. Egon Spiegel. Kriege seien einfach nicht mehr führbar, würden vor allem zunehmend nicht mehr mitgetragen. Gemeinsam mit einem chinesischen Kollegen hat Spiegel, wohl der einzige deutsche Religionspädagoge, der in China forschen und lehren darf, ein Buch herausgegeben, das sich mit der Tabuisierung von Krieg beschäftigt. Für die sehen die beiden Autoren auch aufgrund wirtschaftlicher Faktoren eine große Chance, vor allem aber darin, dass sich durch alle Kulturen und über Ländergrenzen hinweg immer mehr Menschen junger Generationen dem Krieg verweigerten. Der fast 65-jährige Spiegel, der gebürtig aus Liebhards bei Hilders stammt und heute in Vechta lehrt, hat selbst seinerzeit den Kriegs- wie auch den Zivildienst verweigert und wurde dafür verurteilt und inhaftiert. Sein Credo ist, Veränderungen ohne Gewalt zu bewirken. Dabei sei ihm vor allem die Verwurzelung im Glauben wichtig: Gewaltverzicht finde, so Spiegel, im Vertrauen auf eine „dritte Macht“ statt, auf die selbst Jesus Christus verweise, nämlich auf Gott.



 

 

Fotos: Dr. Arnulf Müller

 

Kindern Selbstbewusstsein vermitteln


15 Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 12 Jahren aus acht Nationen finden zurzeit bei „Rosenbrot“ regelmäßige Betreuung und Förderung. Von der Arbeit in dieser Einrichtung vom Sozialdienst katholischer Frauen berichtete Christa Steinhauer-Friedrich bei „Talk am Dom“. “Wir erleben oft, dass das nicht nur die erste, sondern auch die einzige Mahlzeit ist, die die Kinder bekommen“, so Steinhauer-Friedrich. Und: „Wir geben nicht nur Struktur, sondern helfen ihnen auch, ihren Selbstwert und ihr Können zu erkennen.“ Dies geht vor allem dadurch, dass die haupt- und ehrenamtlichen Betreuer dazu beitragen, Stärken der Kinder zu entdecken, statt sie immer wieder auf ihre Schwächen zu verweisen. Die Vermittlung in einen Fußballverein oder ein Tanzstudio helfe den Kindern, sich mit steigendem Selbstwertgefühl zu entwickeln, und sei daher auch eine Form der Gewaltprävention.

Finanziert werde die Arbeit von „Rosenbrot“ durch das Bistum Fulda, das Jugendamt der Stadt Fulda und durch Spenden. So habe es zum Beispiel eine Spende der Deutschen Post AG ermöglicht, Kindern die für Mannschaftssportarten notwendige Bekleidung zu kaufen. „Für einige Kinder war es das erste Mal, dass sie tatsächlich neue Sportsachen anziehen konnten“, so Steinhauer-Friedrich.

 


Einmaliges ökumenisches Miteinander


Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck blickte auf einen Besuch im Irak und in Syrien zurück. „Ich bin da nicht hin, um den Helden zu geben, sondern weil es notwendig war“, betonte er, nicht ohne darauf hinzuweisen, wie wichtig und notwendig es ist, dort helfende Hand zu sein .

Seine Mitarbeit im Ethikrat des ‚Bundestages gebe ethische Orientierung bei den aktuellen Fragen der Politik und der Gesellschaft, die dann bei der Gesetzgebung berücksichtigt werden könne.

Weitere Themen im Gespräch mit dem Bischof waren die Luther-Dekade und das Reformationsjubiläum in diesem Jahr. Für Hein ist das ökumenische Miteinander bei den Feiern eine überraschende und begeisternde Erfahrung. Es gehe ja nicht darum, das Jubiläum triumphierend zu begehen. Für ihn, so Hein, seien die Begegnungen mit den katholischen Christen dabei wichtig, auch weil Katholiken die mystische Person Luthers näher kennenlernen können. So werde im Sommer eine ökumenische Jubiläumsfeier im Fritzlarer St.-Peter-Dom stattfinden.

Dass in Fulda unter dem Dach des ehemaligen Dompfarramtes katholische und evangelische Religionspädagogik ein gemeinsames Zuhause gefunden haben, sei ein besonderes und bislang einmaliges Zeichen ökumenischen Miteinanders in Deutschland.

 

Der nächste „Talk am Dom“ wird am 28. September stattfinden. Zugesagt h at bereits der frühere Fuldaer Weihbischof und heutige Erzbischof von Bamberg, Prof. Dr. Ludwig Schick.