Jugend im Bistum Fulda
Ein Teil der Pilger verschiedenen Kleingruppen bei der Stadtführung vor der Kathedrale von Havanna.
Ein Teil der Pilger verschiedenen Kleingruppen bei der Stadtführung vor der Kathedrale von Havanna.

Scheinwelt und Armut

Pilger der Langfahrt kommen alle gut in Kuba an, irritierende Einblicke in die Hauptstadt Havanna

Alle Teilnehmer der Langfahrt sind am Montag und Dienstag Ortszeit gut in Kuba angekommen. Der Abschied von den Gastfamilien in Panama war sehr herzlich und viele ließen es sich nicht nehmen, die Jugendlichen morgens um 4 Uhr zur Gastpfarrei an den Bus zu bringen. Trotz der vielen verschiedenen Fluggruppen, in die alle Teilnehmer aufgeteilt werden mussten, sind alle gut in der kubanischen Hauptstadt Havanna angekommen. Bis auf kleine Nachfragen bei den Instrumenten des Marianums verlief die Einreise in das sozialistische Land problemlos. Auch die beiden Hotels, in denen die Jugendlichen untergebracht sind, genügen den Wallfahrer zum Ausruhen und Schlafen.


Theresa Rautenberg aus der Kleingruppe der Oblaten musste sich erst an die neue Umwelt in Havanna gewöhnen. „Ich hatte am Anfang ein beklemmendes Gefühl in dieser Stadt der Kontraste“, so die Studentin. Es sei ungewohnt, von Männern angesprochen und um Geld gebeten zu werden. „Der Menschenschlag ist hier einfach anders als in Panama“, so Rautenberg. Die Studentin aus Bergen-Enkheim nahe Frankfurt am Main stellt fest, dass die Jugendlichen hier nun als Touristen gesehen würden und nicht mehr als Pilger. „Da merkt man nochmal, wie herzlich uns alle Menschen in Panama aufgenommen haben, sei es durch ein Winken aus dem Auto oder durch die Aufnahme in einer Gastfamilie“.


Den Reisetag nutzten viele Jugendliche, um sich auszuruhen. Zudem mussten alle Geld tauschen. Dazu gab es vereinzelte Geldautomaten oder das Anstehen an Banken zum Umtausch der Währung. Daraufhin erkundeten viele die Altstadt, die extra für Touristen hergerichtet ist. Dennoch blieben den Jugendlichen die verschiedenen Einblicke in die teils katastrophale Bausubstanz der Gebäude sowie die damit verbundene Armut der Bevölkerung nicht aus. Zwar äußerten sich einige fasziniert, über die alten amerikanischen Autos, die in der Stadt als Touristenattraktion umherfahren. Sie stellten aber auch fest, dass manche Autos, Motorräder oder LKW aus der ehemaligen DDR oder der Sowjetunion kommen und somit schon weit über 20 Jahre alt sind.


Bei der Stadtführung, die die meisten Jugendlichen am ersten Tag mit einem deutschsprachigen Touristenführer erlebten, wurden die Unterschiede noch deutlicher. Neben den prachtvollen Gebäuden und Häusern machten die Jugendlichen auch einen Stopp vor einem Lebensmittelhändler für die Bevölkerung. Die Regale waren leer und der Touristenführer erzählte mit Begeisterung, welche Mengen pro Person vom Staat subventioniert werden. Natürlich müsse alles in einem Heft vermerkt werden.


„Der Sozialismus irritiert mich“, stellt Theresa Rautenberg nach der Stadtführung fest. Die Jugendlichen erlebten in der Altstadt eine Scheinwelt, die im großen Kontrast zur gewöhnlichen Bevölkerung stehe. Positiv verbucht Rautenberg den Besuch der Gemeinschaft Sant Igidio. Die Fuldaer Jugendlichen feierten in den Räumen der Pfarrei die Heilige Messe und erfuhren danach von einheimischen Jugendlichen, was die Gemeinschaft tut, um Armen zu helfen. Dies sei in den Stadtbezirken am Rande Havannas besonders nach dem Tornado und den angerichteten Verwüstungen notwendig, so ein Vertreter der Gemeinschaft. Die kubanischen Gastgeber freuten sich, die deutschen Jugendlichen im Anschluss nach dem Weltjugendtag begrüßen zu dürfen. „Wir sind sehr froh, weil wir doch alle eine gemeinsame christliche Familie sind“, so der Sprecher der Gemeinschaft.


Theresa Rautenberg zeigte sich nach der Heiligen Messe, die Ordinariatsrat Thomas Renze leitete, und dem kurzen Austausch mit den Jugendlichen vor Ort zufrieden: „Bei dieser Begegnung waren wir für einen kurzen Moment wieder Pilger und kamen mit der katholischen Kirche hier in Kuba in Berührung. Das tat gut“, sagte Rautenberg.


Am Mittwoch fahren die Jugendlichen mit Bussen an den Strand, bevor sie die Möglichkeit haben, bei der Gemeinschaft Sant Igidio beim Gebet für die Tornado-Opfer und der anschließenden Armenspeisung dabei zu sein. Am Donnerstag ist für alle Kleingruppen ein freier Tag geplant.


Text und Biilder: Sebastian Pilz