Auf dieser Seite finden Sie Gedanken zum Sonntag oder eine ausformulierte Predigt sowie ein Segensgebet.
Die Predigten hier können in Form und Inhalt von den Predigten im Gottesdienst abweichen.
Am ersten Sonntag im Monat findet um 9 Uhr in Borken und am dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr in Homberg ein Kindergottesdienst statt.
Die Lesungstexte der Sonn- und Wochentage finden Sie unter:
„Der, von dem ich erzählen will,
wurde geboren in Armut
und starb, noch jung,
mit ausgebreiteten Armen
am Kreuz einen schrecklichen Tod.
Warum, worin bestand seine Schuld?
Oder anders gefragt: wem war er im Weg?
Er raubte kein Geld, kein Land,
stürzte keinen vom Thron, zog nicht in den Krieg,
schrieb nicht einmal Bücher.
Der Ort, wo er aufwuchs wie andere auch,
war ohne Bedeutung:
ein Nest in den Bergen
am Rande des riesigen römischen Reiches.
Er lernte ein Handwerk, zimmerte Möbel,
bis er die Werkstatt verließ
und sein Dorf
und umherzog im Land,
das Wort auszusäen.
Er sah, wie man weiß, weder Rom noch Athen.
Aber er sah seinen Vater im Himmel
und sah auf der Erde die Menschen im Dunkel
und lehrte sie sehn mit anderen Augen.
Er heilte die Kranken,
rief Tote ins Leben.
So zog er umher
und warb um die Herzen und sprach von der Liebe,
dem Königreich Gottes.
Er starb, wie er lebte,
und lebte, wie er starb:
mit ausgebreiteten Armen.“
Eine Beschreibung des Lebens und Wirkens Jesu –
verfasst von Lothar Zenetti.
Darin hören wir auch einen Blick auf das Ende des Lebens Jesu.
Heute, am letzten Sonntag des Jahreskreises, am Christkönigsfest, schauen wir auf das Ende des Lebens Jesu, auf seine letzten Atemzüge, auf seine letzte Audienz.
Wir hören eine Szene aus der Passion, der Leidensgeschichte Jesu.
Jesus hängt am Kreuz, verurteilt, gekreuzigt,
kurz vor seinem Tod.
Warum diese Szene, die alles andere als „schön“ ist.
Welches Bild des Königs und des Königtums Jesu wird damit vermittelt?
Wir feiern Jesus als König:
Er ist ein Mensch,
ein König, der, wie Zenetti es sagt,
die Arme ausbreitet.
Er ist ein König, der die Menschen zusammenführt, so wie es König David gemacht hat, der uns in der ersten Lesung als Vorbild, also Hirte, gezeigt wird.
Er ist ein König, der uns Erlösung, Vergebung schenkt, wie die zweite Lesung berichtet.
Er ist ein König, der dem Sünder, dem Schächer und damit auch uns - ein Paradies verspricht.
Das Königtum Jesu, das sich am Kreuz zeigt, ist ein anderes, als wir es von unseren König*innen kennen.
„Der König, von dem dieses Fest handelt, ist kein Politiker. Sein Reich ist „nicht von dieser Welt“, auch wenn es in dieser Welt beginnt.
Der König ist
der Mensch, der alles,
was er ist und hat und vermag, nicht von unten empfängt,
sondern von oben,
nicht von Wahl, Mehrheit und Meinung der Menschen, sondern „von Gottes Gnaden“.
Er ist der, der
sich von Gott empfängt
und vor Gott verantwortet –
weil alle anderen Autoritäten bestenfalls
„Gottes Stellvertreter“ sind, aber nicht Gott.
Er ist der, der
als „Bild des unsichtbaren Gottes“,
die Menschen sammelt, so unter ihnen dient
und so über sie herrscht,
dass sie gerade bei ihm die wahre Freiheit finden.“
Die Inschrift über dem Kreuz: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ wird in Griechisch, Latein und hebräisch über das Kreuz geschrieben.
„Der „König der Juden“ wird verurteilt und in allen Weltsprachen verspottet. Die ganze Welt soll es wissen, soll von ihm wissen.
Der Verurteilte wird als Karikatur eines Königs verlacht und geschändet.
Das Reich Jesu scheint schnell besiegt. Noch während der Todesfolter ruft man ihm zu, er solle sich und die anderen doch retten, wenn er denn wirklich ein König sei…
Ersteres unterlässt er, um letzteres zu tun:
indem er sich nicht rettet, rettet er die anderen.
Weil er bei ihnen bleibt. Weil er einer von ihnen wird.
Er ist in allem wie sie. Außer in der Sünde.
Er geht dahin, wo das Leiden und die Schuld am allergrößten sind.
Er geht an die Stelle der Opfer.
Und er geht an die Stelle der Täter.
Er lässt sich antun, was die verdient haben, zu denen er geht.
Und nun, am Kreuz,
hält der König seine letzte Audienz.
Nicht mit denen, die gnädigerweise vor ihn gelassen werden.
Sondern mit denen, zu denen er sich hat verdammen lassen.
Nicht mit den Fürsten oder den verdienten Bürgern seines Reiches.
Sondern mit den Verworfenen,
die keiner mehr kennen will.
Der Schächer traut sich Jesus an, er vertraut sich ihm an.
Wer sich diesem
König anvertraut, wird nicht klein gemacht, sondern frei“ (beide Zitate vgl.
Frà Georg Lengerke).
Der Schächer, der Sünder, vertraut sich Jesus an.
Trotz seiner Schuld.
Wem vertraue ich mich an? Welchem „König“, welcher Macht, vertraue ich? Worauf setze ich meine Hoffnung?
Der König Jesus öffnet die Arme.
Die Mächtigen von heute erlebe ich manchmal als Menschen, die spalten, die hetzen, die die Arme verschließen.
Ich erlebe Menschen mit Macht als Menschen,
die andere ausschließen, die abgrenzen, ihren Vorteil sehen.
Jesus als König ist da anders und damit provokant, herausfordernd. Ein Gegenbild.
Auch wenn sie mich nicht hören. Ich habe einen Wunsch an die Mächtigen:
Sie mögen die Arme ausbreiten, sich den Menschen zuwenden.
Sie mögen sich den Menschen zuneigen und sie wertschätzen: in ihren Worten und Werken,
in ihrer Sprache und ihrem Handeln verbinden
und nicht trennen.
Sie mögen zusammenführen statt auseinander treiben.
Wem vertraue ich mich an?
Ist Christus ein König für mich?
Er breitet die Arme aus.
Ich darf mich in die offene Arme Jesu begeben.
Er erwartet mich, er nimmt mich an und auf:
Er macht mich frei.
Frei,
Verantwortung zu übernehmen.
Frei, Wege des Friedens zu gehen.
Frei, die eigenen Lebensbereiche zu verwandeln – von innen heraus.
Er schenkt Verzeihung und einen Neuanfang.
Es ist nicht ein
Herrscher, der erdrückt,
sondern ein König, der trägt.
Er ist nicht ein Sieger, der prahlt,
sondern ein Heiland, der heilt.
In seiner Ohnmacht am Kreuz übt er und strahlt er große Macht aus.
Die Macht der Ohnmacht.
Die Macht der Liebe, der Versöhnung, der Zuwendung bis zum letzten Atemzug Gottes und des Menschen.
Er ist ein König, der uns zur Audienz erwartet.
Peter Göb
Es gilt das gesprochene Wort
Barmherziger Gott,
Du weitest unseren Blick über unseren Ort
und unser Land hinaus.
Du begegnest uns in den Menschen anderer Kulturen.
Begleite uns in der Begegnung miteinander
und schenke uns Verbundenheit mit allen Menschen
dieser Welt.
Denn „Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen“.
So segne und begleite euch der dreieine Gott…
© Christus Epheta, Homberg (Efze) - Christkönig, Borken (Hessen)