Aktuelles Bischofswort zum Ostersonntag, 22. April 2018

Türen ins Leben

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Wir Menschen leben mit vielen Hoffnungen, großen und kleinen, banalen und wichtigen. Indes leben wir letztlich nur aus einer Grundhoffnung, der nämlich über den Tod hinaus.
Ein Wort, das mir gerade diese Hoffnung aufschließen kann, das mich trägt und immer wieder neu zum Leben ermutigt, begegnet mir in der Geheimen Offenbarung des Johannes an die Gemeinde von Philadelphia: „Ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann“ (Offb 3,8). Im Grunde suchen wir ja alle nach einer solchen offenen Tür, die niemand mehr schließen kann.

Einzig eine Hoffnung über den Tod hinaus, die dieses Schriftwort verheißt, kann uns sagen, dass unser Leben nicht ins Leere und Sinnlose ausläuft. Psychologen bestätigen, dass ein Mensch ohne eine solche Perspektive eigentlich gar nicht lebensfähig ist. Und Philosophen geben zu bedenken, dass Menschen, die scheinbar ohne eine solche Hoffnung leben, gleichsam „auf fremder Kreide zechen“ (Ernst Bloch in seinem epochalen Werk ‚Das Prinzip Hoffnung‘), d. h., zumindest unbewusst, von den Hoffnungen anderer Menschen mitleben. Wie dem auch sei: Einzig die Kraft einer Hoffnung über den Tod hinaus lässt uns immer wieder aufleben und schließlich überleben.

Für uns Christen ist eine solche Hoffnung in Jesus Christus erschienen, in seinem Tod und seiner Auferstehung nämlich, die wir in diesen fünfzig Tagen nach Ostern besonders feiern. Er selbst ist die Tür, die niemand mehr schließen kann.
Die alten bildlichen Darstellungen des Osterfestes in der byzantinischen Kunst zeigen, dass der Auferstandene die Riegel des Todes entriegelt und öffnet, dass er die Schlösser aufbricht, so dass die Schlüssel nur so durch die Gegend fliegen oder nutzlos ins Leere fallen. Die Ikonen schenken die Botschaft: Christus allein hat den Schlüssel, „der öffnet, so dass niemand mehr schließen kann“.

Diese Anspielung der Geheimen Offenbarung konnte in Philadelphia sehr wohl verstanden werden, denn es gab dort ein Stadtheiligtum, das dem römischen Gott Janus geweiht war, dem Schutzgott von Tor und Tür, der als Symbol die Schlüssel trägt. Hier wird Christus zu dem, dem allein die volle Schlüsselgewalt gehört, der alle Türen aufschließen kann.

Die Auferstehung Jesu Christi ist nicht singulär das „Happy End“ seines persönlichen Lebensschicksals. Sie ist vielmehr die endgültige und allen geltende Eröffnung einer Hoffnung über Lebenszeit und Tod hinaus. Das zu erinnern und zu vertiefen, ist wirklich notwendig.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 

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